Ein ganzer Tag im Wald
Kein Programm, kein Ziel, nur Wald. Was zuerst nach wenig klingt, ist für Kinder erstaunlich viel — wenn man sie lässt.
Wenig, das viel ist
„Wir gehen heute in den Wald.” — „Und was machen wir da?” — „Wald.”
Genau das ist der Plan, und genau das ist das Schwierige daran. Erwachsene wollen ein Ziel. Kinder brauchen keins. Sobald man das aushält, fängt der eigentliche Waldtag an.
Die ersten zehn Minuten
In den ersten zehn Minuten passiert oft nichts. Die Kinder gucken, der Wald ist groß, alles ist neu. Dann findet jemand einen Stock. Und ab da läuft es von allein.
Ein Stock ist im Wald nie nur ein Stock. Er ist Schwert, Wanderstab, Angel, Zauberstab und Messinstrument. Wer einen guten Stock findet, trägt ihn den ganzen Tag mit sich herum.
Was es zu entdecken gibt
Moos, das sich anfühlt wie ein Teppich. Pilze, die man anschauen, aber niemals anfassen oder gar essen darf. Käfer, die ihren eigenen Weg über den Boden nehmen. Ein Baum, so dick, dass drei Kinder ihn nicht ganz umfassen können.
„Hör mal — wenn alle leise sind, hört man den Wald.”
Und tatsächlich: Wenn alle kurz still sind, ist da ein Geräusch, das vorher nicht da war. Wind in den Blättern, ein Vogel, ein Knacken irgendwo. Der Wald war die ganze Zeit laut. Man hat nur nicht hingehört.
Die Schatztasche
Der wichtigste Gegenstand des Tages ist eine leere Tasche. Im Laufe der Stunden füllt sie sich: Zapfen, Steine, ein besonders schönes Blatt, eine Eichel mit Hut. Der Wert dieser Dinge ist von außen nicht zu erkennen. Aber für das Kind, das sie gesammelt hat, ist jeder einzelne ein Schatz.
Was Kinder hier lernen
Dass Langeweile kein Feind ist, sondern der Anfang von Fantasie. Dass man im Wald nichts kaufen kann und trotzdem reich nach Hause kommt. Dass die Natur kein „eines” ist, sondern tausend kleine Sachen, die man nur findet, wenn man sich Zeit nimmt.
Wenn ihr da seid
Bringt mit: feste Schuhe, wettergerechte Kleidung, etwas zu essen und zu trinken, eine leere Tasche für Funde. Bleibt auf den Wegen, wo Schutzgebiete ausgewiesen sind, und nehmt euren Müll wieder mit.
Was ihr nicht braucht: ein Programm. Der Wald macht das Programm selbst — man muss nur lange genug bleiben.
So sieht es aus
Klick auf ein Bild für die große Ansicht. Hauptbilder sind eigene Aufnahmen ohne Kinder; Belegfotos sind dezent gekennzeichnet.
Auf der Karte
53.2950, 9.7400 · Karte: OpenFreeMap, datensparsam
Vor dem Besuch
Wo kann man rund um Tostedt mit Kindern in den Wald? +
Rund um die Samtgemeinde Tostedt gibt es viel Wald, der frei zugänglich ist. Schon ein kurzer Waldrand reicht für einen Waldtag — man braucht kein bestimmtes Ausflugsziel.
Was kostet ein Waldtag? +
Nichts. Der Wald ist frei zugänglich. Man braucht keine Anmeldung und keinen Eintritt.
Ab welchem Alter ist ein Waldtag sinnvoll? +
Ab etwa zwei Jahren. Kleine Kinder erkunden den Waldboden aus nächster Nähe, größere bauen, klettern und sammeln. Das Tempo bestimmen die Kinder.
Was muss man beachten? +
Auf Wegen bleiben, wo es Schutzgebiete gibt, nichts Unbekanntes essen (besonders keine Pilze und Beeren), Müll wieder mitnehmen und Tiere in Ruhe lassen.